
Mein Firmenname heisst «Hund hilft Mensch» und ich begleite Menschen auf ihrem Weg, ihren eigenen Assistenzhund auszubilden.
Auf meiner Website steht die folgende Headline, die zum Weiterlesen animieren soll:
„Lass uns den perfekten Assistenzhund für dich finden und gemeinsam ausbilden.“
Nach nun zwei Jahren Erfahrung weiß ich: Es ist Zeit für eine Ergänzung.
Mein Weg – Menschen helfen, einen Assistenzhund auszubilden
In den vergangenen zwei Jahren durfte ich unglaublich tolle Menschen und ihre Hunde kennenlernen. Manche Hunde lebten bereits in den Haushalten ihrer Besitzer, andere durfte ich von Anfang an begleiten – von der Auswahl des richtigen Züchters bis hin zum Einzug des Welpen. Immer mit einem klaren Ziel: den Hund so zu trainieren, dass er seinem Menschen hilft, wieder vermehrt am sozialen Leben teilzunehmen.
Denn die Menschen, die ich begleite, haben eines gemeinsam: Sie fühlen sich in der Gesellschaft nicht sicher, nicht wohl – was oft zu Isolation führt. Es ist keine bewusste Entscheidung, sondern zu diesem Zeitpunkt oft einfach nicht anders möglich. Die Hoffnung jedes Menschen, der sich einen Assistenzhund wünscht, ist, dass er mit einem Hund an seiner Seite über sich hinauswachsen und wieder am Alltag teilnehmen kann.
Die Realität eines Assistenzhundehalters
Achterbahn der Gefühle
Das Leben mit einem Welpen und jungen Hund ist voller Emotionen: Freude, Angst, Unsicherheit, Glück, Frustration – eine Mischung, die oft überfordert, aber auch unendlich bereichert. Ein Leben mit einem Hund ist eine Reise voller Herausforderungen und Erfolge.
Verhalten des Hundes – eine Hilfsleistung oder doch mehr Belastung?
Hunde sind aussergewöhnliche Wesen – sie lesen unsere Körpersprache, nehmen feinste Veränderungen wahr und reagieren auf unsere Emotionen. Sie können körperchemische Veränderungen manchmal sogar riechen, bevor wir sie selbst spüren. Ein Hund ist ein eigenständiges Individuum und wird sein Verhalten aufgrund all der aufgenommenen Informationen anpassen.
Doch das kann sowohl hilfreich als auch problematisch sein. Ein Hund kann seine Bezugsperson durch sein Verhalten noch mehr verunsichern. Zum Beispiel, wenn er durch Bellen darauf aufmerksam macht, dass sich etwas für ihn Beängstigendes verändert (z. B. steigende Panik im Menschen, entgleisender Blutzucker etc.).
Der Mensch, der ohnehin nicht auffallen will und bereits massiv gestresst ist, steht plötzlich im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit – denn der Hund verhält sich nicht so, wie es von Hunden in der Öffentlichkeit erwartet wird. Nein, im Gegenteil – er „stört“. Dabei zeigt er eigentlich ein für ihn völlig normales Verhalten.
Genau deshalb ist es entscheidend, gezielt Verhaltensweisen zu trainieren, die in erster Linie zum Hund passen, ihm helfen, sich in dieser Welt zurechtzufinden, und ihm Handlungsfähigkeit ermöglichen. So kann er auf die Dinge, die er wahrnimmt, (für uns Menschen) angemessen reagieren – und dem Menschen in zweiter Instanz wirklich helfen.
Keine einfache Anforderungsliste – das merkt man schon beim Lesen.
Meine Realität als Assistenzhundetrainerin
- Unsicherheit – Kann ich das? Werde ich den Erwartungen gerecht?
- Angst – Vor dem Scheitern, vor Enttäuschungen.
- Hoffnung – Dass so viele Menschen wie möglich die bedingungslose Liebe eines Hundes erfahren dürfen und diese Vision mit mir teilen.
- Glück – Wenn ich sehe, wie Bindungen zwischen Menschen und Hunden wachsen.
- Dankbarkeit – Für all die wunderbaren Menschen und Hunde, die ich bisher begleiten durfte.
- Freude – Wenn ein Mensch dank seines Hundes das erste Mal seit Jahren wieder einen Cappuccino in einem Café bestellt – und ihn sogar geniessen kann.
- Verzweiflung – Weil ich allen gerecht werden wollte, was unmöglich ist.
- Wut – Wenn jemand trotz Erklärungen zu Strafen greift und seinen Hund einschüchtert.
- Trauer – Wenn ein Hund aus gesundheitlichen Gründen nicht ausgebildet werden kann.
Ich musste lernen, dass Assistenzhundetraining weit mehr ist als nur eine romantische Vorstellung. Es erfordert Wissen, noch mehr Wissen, Geduld, die Fähigkeit, Verhalten, Trainingsanweisungen und Emotionen richtig zu vermitteln.
Erschwerend kommt hinzu, dass die mechanischen Fähigkeiten, die die Hundehalter erlernen müssen, vom ersten Tag an vorhanden sein müssten – in der Regel aber nicht sind. Zudem gibt es Herausforderungen, die mir zu Beginn theoretisch bewusst waren, deren Auswirkungen in der Realität jedoch mehr Spuren hinterlassen haben als erwartet:
- Auch die besten Zuchtvoraussetzungen garantieren keine Gesundheit.
- Menschen mit Assistenzhunden stehen oft unter immensem Druck – die Hoffnung auf Hilfe, die Angst vor Fehlern, die finanzielle und emotionale Belastung (Aufzählung nicht abschliessend).
- Dieser Druck und andere Herausforderungen können den Hund langfristig sehr belasten oder sogar krank machen – und ihn so für diesen Job untauglich werden lassen.
Fragen, die mich beschäftigen
- Ist es ethisch vertretbar, einen Hund als Hilfsmittel bereits als Welpe auszuwählen und ihn von Tag eins an auf diese Aufgabe zu sensibilisieren, zu trainieren, ihn eventuell sogar in diese Rolle zu drängen?
- Wie viel Stress dürfen wir unseren Hunden zumuten, und welcher Stress macht krank?
- Wie kann man den Druck für Hund und Halter reduzieren?
- Wie können Menschen ohne Hundeerfahrung in kurzer Zeit lernen, ihren Assistenzhund richtig auszubilden?
Viele dieser Fragen kann ich nur ansatzweise beantworten. Manche Antworten erfordern tiefere Nachforschung, das Lesen wissenschaftlicher Literatur – und vor allem Zeit, um ihnen auf den Grund gehen zu können.
Werde ich aufgeben?
Es gab und gibt Momente, in denen ich mich frage: Warum habe ich diesen Namen ausgewählt? «Hund hilft Mensch»
Denn in erster Linie müssen wir Menschen unseren Hunden helfen, in dieser lauten, stressigen, absolut nicht für Hunde gemachten Welt zurechtzukommen.
Wie kann ich in Zukunft vermitteln, dass nicht der Hund seinem Menschen gegenüber einer Verantwortung nachzukommen hat, sondern vielmehr wir Menschen – als Hundehalter, als Assistenzhundehalter – unserem Hund gegenüber?
Ich setze mir zum Ziel aufzuklären über Möglichkeiten und Grenzen, weil ich daran glaube, dass es möglich ist – und weil ich gesehen habe, dass es möglich ist.
Wenn wir Hundebesitzer uns unserer Verantwortung und unserer Macht bewusst sind, wird unser Hund uns sein ganzes Herz schenken und uns ein Helfer werden. Missbrauchen wir jedoch unsere Macht, wird das Projekt „Ein Hund als Helfer“ scheitern. Denn ein Hund, der seine Aufgabe nicht gerne macht, wird nicht nur unglücklich, sondern möglicherweise auch krank. Ein Preis, der zu hoch ist!
Der Name bleibt: Hund hilft Mensch, doch mit einer neuen Bedingung:
Zuerst, währenddessen und danach hilft der Mensch seinem Hund, sein bestmögliches Leben zu führen.
Denn eines muss uns klar sein: Wir haben den Hund ausgewählt, zu uns geholt und ihm eine Aufgabe zugewiesen. Er selbst hat diese Entscheidung nicht getroffen – und doch schenkt er uns sein ganzes Herz und gibt sein Bestes!
Ich werde weiterhin mein Wissen teilen und freue mich auf Rückmeldungen, Vorschläge für Themen, die euch interessieren.
Herzlichste Grüße, bis zum nächsten Blogbeitrag
Scarlett
mit tierischer Unterstützung Asera und Eos

« Wir arbeiten mit positiver Verstärkung, basierend auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen »
Scarlett Schneider – Hundetrainerin
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