
Die Beziehung – oder anders gesagt, die Bindung – zwischen Mensch und Hund ist etwas ganz Besonderes. Bei erfolgreichen Assistenzhund-Mensch-Teams ist sie das Herzstück für ein glückliches, dauerhaft erfolgreiches Miteinander. Doch wie entsteht dieses unsichtbare Band eigentlich? Und was passiert, wenn es nicht so stabil ist, wie es sein sollte?
Viele Menschen glauben, Bindung entstehe einfach so, ganz von selbst. Dieser Gedanke ist nicht ganz abwegig, denn Hunde binden sich sogar an Menschen, die nicht immer liebevoll mit ihnen umgehen. Hunde können sich auch an neue Menschen binden – dies beweisen zahllose Hunde, die von einem Tierheim zu ihren Lebensplätzen vermittelt werden. Doch die grosse Frage ist ja, wie entwickelt man eine gute, stabile Bindung, die auf Vertrauen basiert? Welche Bindungsformen gibt es und welche Risiken bergen die verschiedenen Bindungsformen?
Bindungsverhalten bei Hunden – Was wir aus der Forschung lernen können
Hast du dich schon einmal gefragt, woran man erkennen kann, ob ein Hund eine wirklich sichere Bindung zu seinem Menschen hat? Und wie sich das auf sein Wohlbefinden auswirkt?
Die Forschung zeigt: Hunde entwickeln Bindungsmuster, die denen von Kindern zu ihren Eltern erstaunlich ähnlich sind. Doch was bedeutet das konkret für unseren Alltag mit Hund? Und wie können wir erkennen, ob unser Hund sich wirklich sicher fühlt?
Wissenschaftler haben herausgefunden, dass es verschiedene Bindungsstile gibt – und nicht alle sind gleich gut für den Hund und sein psychisches und physisches Wohlbefinden. Sie unterscheiden vier Typen (nachfolgend sehr einfach dargestellt – wer mehr Infos möchte, kann gerne die Quellen nachlesen):
Sichere Bindung:
- Dein Hund sucht deine Nähe, fühlt sich aber auch mutig genug, die Welt zu erkunden.
- Bei Unsicherheit, Angst, Bedrohungen oder Schmerz kommt er zu dir zurück, sucht Schutz bei dir als Bindungsperson – und geht dann wieder neugierig los.
- Du reagierst feinfühlig auf seine Bedürfnisse, gibst ihm Halt und Sicherheit. Gleichzeitig hilfst du deinem Hund auch dabei, seine Umwelt angemessen zu erkunden und lässt ihn damit wachsen.
Unsicher-vermeidende Bindung:
- Dein Hund hält lieber Abstand, selbst nach einer Trennung.
- Er wirkt unabhängig, regelt vieles allein, indem er sich intensiv mit seiner Umgebung oder Objekten beschäftigt. Bei Stress entfernt er sich von dir.
- Oft liegt das daran, dass Nähe und Kontakt in neuen Situationen abgewehrt wurden. Vielleicht ist dir selbst körperliche Nähe unangenehm und du lehnst den Kontakt ab.
Unsicher-ambivalente Bindung:
- Dein Hund zeigt kaum Erkundungsverhalten und ist hauptsächlich damit beschäftigt, die Nähe zu dir zu suchen.
- Er kann stark unter Trennung leiden und verhält sich teilweise auch passiv.
- Das passiert, wenn du einmal feinfühlig auf seine Bedürfnisse eingehst und ihn ein anderes Mal ignorierst oder zurückweist. Dein Hund weiss nie, wie du beim nächsten Mal reagieren wirst.
Desorganisierte Bindung:
- Dein Hund wirkt oft wie erstarrt, zeigt widersprüchliches Verhalten und weiss nicht, wie er mit Stress umgehen soll.
- Hier stecken meist traumatische Erfahrungen oder Unsicherheit dahinter – zum Beispiel durch Besitzerwechsel, Missbrauch oder durch inkonsistente Ausbildungsmethoden, die unter anderem auch auf Gewalt basieren.
Warum ist nur die sichere Bindung gesund?
Eine sichere Bindung ist wie ein unsichtbarer Schutzschild für deinen Hund. Sie gibt ihm Mut neues zu entdecken, und hilft ihm, Stress zu bewältigen. Genau das braucht ein Assistenzhund – übrigens jeder Hund – um seine Aufgaben zuverlässig zu erfüllen und erfüllt durchs Leben zu gehen.
Hunde mit unsicherer Bindung wirken manchmal besonders anhänglich. Doch dahinter steckt oft Unsicherheit und Stress. Das kann auf Dauer krank machen und die Arbeit als Assistenzhund unmöglich machen. Warum? Hunde neigen dazu, depressiv zu werden. Und Depressionen können – neben der psychischen Belastung – auch die physische Gesundheit beeinträchtigen. Magenprobleme, Allergien und andere Erkrankungen können die Folge sein.
Mythos «Pause vom Menschen» – Ein gefährliches Missverständnis
Vielleicht hast du schon gehört, dass Assistenzhunde regelmässig „Pausen“ von ihren Menschen brauchen, um sich zu erholen. Stimmt das? Sind regelmässige Pausen von der Bindungsperson förderlich für die Gesundheit eines Hundes? Die Bindungsforschung sagt: Nein!
Gezielte Trennungen können sogar schaden und Unsicherheit verstärken. Hunde, die regelmässig von ihren Bindungspartnern getrennt werden, können Schwierigkeiten bekommen, sichere Bindungen zu entwickeln.
Viel wichtiger ist es, gemeinsam mit deinem Hund schöne Arbeits- und Alltagspausen zu erleben – beim Spielen, Kuscheln oder bei einem entspannten Spaziergang. So stärkst du eure Bindung zusätzlich und schenkst deinem Hund echte Erholung.
Was können wir daraus lernen?
Ein Assistenzhund – und ja nochmals, jeder Hund – braucht eine besonders stabile, liebevolle und sichere Bindung. Nur dann kann er seine Aufgaben zuverlässig erfüllen und bleibt selbst glücklich und gesund.
Zum Nachdenken: Eine Studienzusammenfassung zum Thema «Das Wohlergehen von Hunden als Aspekt der Mensch-Hund-Bindung» zeigte: «Wenn Menschen über ihre Beziehung zu Hunden nachdenken und sprechen, tun sie dies oft aus menschlicher Perspektive und seltener aus der Perspektive des Hundes.» (The Welfare of Dogs as an Aspect of the Human–Dog Bond: A Scoping Review)
Diese Überprüfung ergab ausserdem: «In 44,8 % der Veröffentlichungen (über 700 Studien) zur Mensch-Hund-Bindung wurde das Hundewohl nicht erwähnt.»
Es ist also dringend nötig, dass gerade im Bereich der Nutzhunde wie Arbeits- und Assistenzhunde weitere Forschung zum Wohlergehen der Hunde durchgeführt wird. Und es ist noch viel wichtiger, dass Menschen wie du, die einen Assistenzhund an ihrer Seite haben dürfen, über die Risiken aufgeklärt sind, die durch veraltete Trainingsansätze und Halbwissen entstehen können. Es freut mich sehr, dass du dir die Zeit genommen hast, den Blog zu lesen.
Im nächsten Blogbeitrag erfährst du, wie die Wahl der Ausbildungsmethode die Entwicklung einer sicheren Bindung unterstützt und welche Methoden das verhindern können. Du wirst überrascht sein, wie kleine Veränderungen Grosses bewirken können!
Herzlichste Grüsse, bis zum nächsten Blogbeitrag
Scarlett
mit tierischer Unterstützung Asera und Eos
Warum ich die weibliche Form verwende
Sprache ist ein kraftvolles Werkzeug – sie kann einladen, sichtbar machen und ein Gefühl der Zugehörigkeit schaffen. Aus diesem Grund entscheide ich mich bewusst dafür, in meinen Texten die weibliche Form zu verwenden. Die Mehrheit meiner Kundschaft sind Frauen, und ich möchte, dass sie sich direkt angesprochen und wahrgenommen fühlen. Natürlich schliesst diese Formulierung alle Geschlechter ein – denn unabhängig davon, wie wir uns identifizieren, bleibt der Kern meiner Botschaft derselbe: Jeder Mensch ist willkommen und wertgeschätzt. 💛😊
Wissenschaftliche Literatur und Quellen zum Blog
Quelle: The Welfare of Dogs as an Aspect of the Human–Dog Bond / A Scoping Review; Peter Verbeek, Chase Alan Majure, Laura Quattrochi and Stephen James Turner
Studie: Attachment Behavior in Dogs (Canis familiaris): A New Application of Ainsworth’s (1969) Strange Situation Test. / J Topál , A Miklósi,V Csányi, A Dóka
Studie: Does the owner provide a secure base? Behavioral and heart rate response to a threatening stranger and to separation in dogs / Márta Gácsi, Katalin Maros; A Miklósi
Buch: Black Dog – Depressionen und andere psychische Erkrankungen beim Hund / Dr. Sandra Foltin

« Wir arbeiten mit positiver Verstärkung, basierend auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen »
Scarlett Schneider – Hundetrainerin
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